Astronomisches Kalenderwesen
Definitionen eines Jahres
Die in der westlichen Welt gebräuchlichste Definition des Jahres beruht
auf dem Umlauf der Erde um die Sonne und wird deshalb als Sonnenjahr
bezeichnet. Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten, Beginn und
Ende eines Umlaufs festzulegen, und damit auch verschiedene Arten von
Sonnenjahren:
- Ein tropisches Jahr ist die Zeitspanne zwischen zwei
Durchläufen der mittleren Sonne durch den mittleren
Frühlingspunkt und dauert 365.242199 Tage UT. Der Name
nimmt Bezug auf den Wechsel der Jahreszeiten (gr. tropai,
die Kehren), der in diesem Sonnenjahr zeitlich fest bleibt.
Aus diesem Grunde ist das tropische Jahr für das
Kalenderwesen von großer Bedeutung.
- Ein siderisches Jahr ist die Zeitspanne zwischen zwei
Vorübergängen der mittleren Sonne an einem Fixstern
und dauert 365.256366 Tage UT.
- Ein anomalistisches Jahr ist die Zeitspanne zwischen zwei
Durchgängen der Erde durch das Perihel (dem sonnennächsten
Punkt) der Erdbahn und dauert 365.259626 Tage UT.
Die oben genannten Definitionen führen zu unterschiedlichen
Jahreslängen wegen der Präzession der Erdrotation und der Drehung
der Erdbahn.
Ebenfalls Sonnenjahre sind die aus den gleichnamigen Kalendern abgeleiteten
Intervalle
Julianisches Jahr 365.25 Tage UT
Gregorianisches Jahr 365.2425 Tage UT
Sonnenjahre haben den Nachteil, nicht einfach beobachtbar zu sein, sondern
lange Zeiträume zu ihrer Festlegung zu benötigen. Dagegen sind die
Phasen des Mondes, insbesondere die erste Sichtbarkeit des Mondes nach Neumond,
sehr einfach und schnell zu beobachten. Die ersten und einfachsten Kalender
definierten deshalb ein Mondjahr, bestehend aus in der Regel 12 synodischen
Monaten. Ein synodischer Monat ist die Zeitspanne von Neumond zu Neumond und
dauert 29.5306 Tage UT. Weil aus praktischen Gründen ein Monat eine
ganze Anzahl von Tagen enthalten sollte, wurde meist zwischen Monaten mit 29
und 30 Tagen abgewechselt. Ein Jahr aus je sechs dieser Monate enthält
354 Tage, ist also um 0.3672 Tage zu kurz gegenüber dem wahren Mondjahr.
Mondkalender müssen deshalb etwa alle drei Jahre eine Schalttag
hinzufügen, um mit den Mondphasen im Gleichtakt zu bleiben. Ein
Gleichlauf mit den Jahreszeiten wird bei einem reinen Mondkalender nicht
angestrebt.
Ein gebundenes Mondjahr oder Lunisolarjahr ist der Versuch, Mondphasen und
Jahreszeiten in Einklang zu bringen. Dieses gelingt durch das zusätzliche
Einfügen von Schaltmonaten. Hierfür wurden historisch verschiedene
Schemata versucht. Die beste bekannte Lösung wurde vom Griechen Meton 432
v.Chr. gefunden, war aber offenbar vorher auch anderen Kulturen bekannt. Der
Metonische Zyklus umfaßt insgesamt 235 Monate, davon sind 125 Monate
voll (d.h. sie haben 30 Tage) und 110 Monate sind hohl (mit 29
Tagen). Die Monate sind in 12 Gemeinjahre mit je 12 Monaten und 7 Schaltjahre
mit je 13 Monaten zusammengefaßt. Der Zyklus enthält 6940 Tage,
während 235 synodische Monate 6939.688 Tage dauern und 19 tropische Jahre
6939.602. Der Unterschied zwischen Sonnen- und Mondlauf während eines
ganzen Metonischen Zyklus beträgt also nur 0.0866 Tage, so daß sich
Finsternisse im Metonischen Zyklus mit großer Genauigkeit wiederholen.
Julianischer Kalender
Der Julianische Kalender benutzt ein Sonnenjahr mit zunächst 365 ganzen
Tagen. Um der Tatsache Rechnung zu tragen, daß das tropische Jahr um
etwa einen viertel Tag länger ist als 365 Tage, wird alle vier Jahre am
Ende des Monats Februar ein Schalttag eingefügt. Diese einfache
Schaltregel war bereits im späten Ägypten bekannt. Es war auch ein
alexandrinischer Gelehrter namens Sosigenes, der Julius Caesar bei der
Einführung dieser Kalenderrechnung in das römische Reich im Jahre 46
v.Chr. beriet. Der Name des Kalenders leitet sich aus dem Namen Julius Caesars
ab.
Bei der Einführung des Kalenders mußte Julius Caesar zunächst
mit einem außergewöhnlichen Schaltjahr mit 445 Tagen Länge
für 46 v.Chr. beginnen, um die Fehler des zuvor geltenden alten
römischen Kalenders auszugleichen. Das folgende Jahr 45 v.Chr. war ein
gewöhnliches Schaltjahr mit 366 Tagen. Nach Caesars Tod wurde die von ihm
angeordnete neue Schaltjahrregelung vorerst fehlerhaft angewandt und zuviele
Schalttage eingefügt. Diese Praxis wurde erst unter der Herrschaft
Augustus wieder korrigiert, und der Julianische Kalender gilt streng seit dem
Jahr 8 n.Chr. Für die Jahre davor sind Datierungen um ein paar Tage
unsicher, weil die Lage der Schaltjahre nicht genau bekannt ist.
In der Astronomie und zu historischen Zwecken wird der Julianische Kalender
auch für ältere Epochen vor dem Jahre 46 v.Chr. verwendet, als
dieser Kalender noch gar nicht definiert war und die damaligen Menschen ihr
Datum darin nicht kennen konnten. Zur Kennzeichnung dieser Extrapolation wird
gelegentlich vom proleptischen Julianischen Kalender gesprochen (proleptisch =
vorgezogen).
Gregorianischer Kalender
Das Julianische Jahr war mit seiner Länge von 365.25 Tagen um 0.0078 Tage
oder 11 Minuten und 14 Sekunden länger als das tropische Jahr. Dieser
Unterschied war zwar nicht mehr innerhalb weniger Jahre spürbar, er
akkumulierte sich aber im Laufe von Jahrhunderten. Den Astronomen fiel als
erstes auf, daß der wahre Frühlingsbeginn (wenn die Sonne durch den
Frühlingspunkt läuft) sich von dem nominalen Frühlingsbeginn am
21.März entfernte. Dieser nominale Termin war im Zusammenhang mit der
Datierung des Osterfestes von der römischen Kirche festgelegt worden. Zu
Beginn des 16.Jahrhunderts lag das Datum des Julianischen Kalenders bereits um
10 Tage gegenüber der wahren Erdbahn zurück, und die Datierung des
Osterfestes begann den eigentlich gewollten Bezug zum jüdischen Passahfest
(das sich am wahren Frühlingsbeginn orientiert) zu verlieren.
Zur Behebung dieser Schwierigkeiten wurde (zunächst für den Bereich
der römischen Kirche) 1582 von Papst Gregor XIII eine Kalenderreform
durchgeführt. Sie bestand aus drei Teilen:
- Fortfall von 10 Kalendertagen, auf den 4.Oktober 1582 folgte
der 15.Oktober 1582 in der neuen Zeitrechnung. Damit wurde
der Frühlingsbeginn wieder auf den 21.März gebracht. Die
Zählung der Wochentage blieb dabei ungeändert.
- Einführung einer neuen Schaltjahrregelung, nach der die
Schalttage in den Jahren fortfallen, die durch 100, aber nicht
durch 400 teilbar sind. Damit wird das Anwachsung eines
Kalenderfehlers verlangsamt. Der Schalttag wird wie im
Julianischen Kalender am Ende des Monats Februar eingefügt.
- Änderung der Osterregel zur Anpassung an den neuen Kalender.
Die Grundlagen des neuen Kalenders wurden 1603 von Christoph Clavius in dem
Buch 'Explication Romani Calendarii a Gregorio XIII P.M. restituti'
beschrieben.
Die unter 2. beschriebene Schaltjahrregelung ist die Basis für den auch
heute noch gebräuchlichen Gregorianischen Kalender. Die mittlere
Jahreslänge beträgt danach 365.2425 Tage, die verbleibenden
Abweichungen gegenüber dem tropischen Jahr sind klein genug, um erst nach
3333 Jahren die Einfügung eines zusätzlichen Schalttags notwendig zu
machen.
Obwohl für die Umstellung von Julianischem auf Gregorianischen Kalender
gemeinhin das Tagespaar 4./15.Oktober 1582 angegeben wird, gilt dieses
eigentlich nur für die Länder mit überwiegend
römisch-katholischen Glauben. Andere Länder waren teilweise erheblich
zögerlicher bei der Übernahme des neuen Kalenders. So hat z.B. die
Türkei erst am 1.Januar 1927 den Gregorianischen Kalender übernommen.
Bei der Umrechnung landesspezifischer Kalenderdaten und historischer Datierung
ist deshalb Vorsicht geboten. Eine recht detaillierte Auflistung der
Umstellungsdaten für verschiedene Länder findet sich im Explanatory
Supplement (s. Literaturliste).
Der Bezug unserer heutigen Jahreszählung auf das Jahr von Christi Geburt
geht auf den römischen Abt Dionysius Exiguus zurück, der sich im
Jahre 525 n.Chr. um die Erstellung von Tafeln zur Berechnung des Osterfests
bemühte. Auf heute nicht mehr bekannte Weise identifizierte er das Jahr
248 der Ära Diokletians mit dem Jahr 532 n.Chr. (Diese Zuordnung gilt
heute als zweifelhaft.) In der neuen Jahreszählung ging dem Jahr 1 n.Chr.
das Jahr 1 v.Chr voraus, ein Jahr 0 existiert in diesem System nicht. Im
Gegensatz dazu steht die astronomische Jahreszählung, die sehr wohl ein
Jahr 0 kennt. Zur Unterscheidung verzichtet die astronomische
Jahreszählung auf die Zusätze 'n.Chr.' und 'v.Chr.' und verwendet
stattdessen ein Vorzeichen vor der Jahreszahl. Das astronomische Jahr +1
entspricht dann dem Jahr 1 n.Chr., das Jahr 0 entspricht 1 v.Chr., und -1 ist
das Jahr 2 v.Chr.
Das erste Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung begann am 1.Januar des
Jahres 1 n.Chr. und endete genau hundert Jahre später am 31.Dezember 100
n.Chr. Das zweite Jahrhundert mußte deshalb am 1.Januar 101 n.Chr.
beginnen. Entsprechendes gilt für die Jahrtausende. Demzufolge wird das
nächste, das dritte Jahrtausend nicht -- wie häufig angenommen --
am 1.Januar 2000 n.Chr., sondern erst am 1.Januar 2001 n.Chr. beginnen.
(Daß dieses Mißverständnis bei gegebenem Anlaß
regelmäßig zu beträchtlichen Diskussionen in der
Öffentlichkeit führt, wird sogar im Explanatory Supplement, Ausgabe
1961 angemerkt, s.S.411.)
Der Gregorianische Kalender wird auch in der Astronomie regelmäßig
für Datierungen nach dem 14.Oktober 1582 verwendet. Für einige
spezielle Probleme ist es aber nützlich, ihn für Epochen vor diesem
Datum zurückzurechnen (proleptischer Greg. Kalender). Andererseits werden
auch heute noch manche Daten oder Zeitspannen nach dem Julianischen
Kalender berechnet. Solche Ausnahmen sind entsprechend gekennzeichnet.
Osterdatum
Das christliche Osterfest ist aus dem jüdischen Passahfest abgeleitet,
das am ersten Frühlingsvollmond beginnt. Dieser Tag kann offensichtlich
auf einen beliebigen Wochentag fallen, Ostern beginnt dagegen
definitionsgemäß am einem Sonntag. Ursprünglich war die
Festlegung des Ostertermins sehr uneinheitlich geregelt in den verschiedenen
christlichen Gemeinden. Erst im 1.Konzil von Nicäa im Jahre 325 n.Chr.
einigte man sich auf die Formel, daß Ostern auf den ersten Sonntag
_nach_ dem ersten Frühlingsvollmond fällt. Der erste
Frühlingsvollmond ist dabei der erste Vollmond, der am Tag der
Frühjahrstagundnachtgleiche oder danach stattfindet.
Mit dem Beschluß von Nicäa waren aber die Schwierigkeiten nicht
endgültig beseitigt, weil die genaue Festlegung des ersten
Frühlingsvollmonds eigene Probleme mit sich brachte. Schließlich
setzte der römische Abt Dionysius Exiguus auf Veranlassung von Papst
Johannes I im Jahre 525 n.Chr. die in Alexandria übliche Rechnung durch.
Danach wird
- der Frühlingsbeginn auf den 21.März 0 Uhr festgesetzt und
- von einem gleichmäßig auf einer Kreisbahn umlaufenden Mond
ausgegangen.
Beide Annahmen sind Vereinfachungen, die zu Abweichungen von den wahren
astronomischen Gegebenheiten führen. So findet der wahre
Frühlingsbeginn etwa zwischen dem 19.März 8 Uhr und dem 21.März
20 Uhr UT statt. Berücksichtigung der wahren Mondbahn liefert Differenzen
von bis zu +/- 0.7 Tagen gegenüber einer kreisförmigen Bahn. Ferner
sind seit der Gregorianischen Kalenderreform zusätzliche
Datumsbeschränkungen zu berücksichtigen, denen zufolge Ostern
zwischen dem 22.März und dem 25.April (jeweils einschließlich)
liegen muß. Aus diesen Gründen kommt es zu Verschiebungen des
faktischen Osterdatums gegenüber dem astronomisch korrekt berechneten
Datum, die als 'Osterparadoxien' bezeichnet werden. Die letzte Paradoxie fand
im Jahre 1974 statt (Ostern war am 14.April statt am 7.April), die
nächste findet im Jahr 2000 statt (23.April statt 26.März).
Durchgeführt wird die Osterrechnung heute durch die kirchlichen
Ostertafeln (Tabellenwerke, die zu diesem Zwecke angelegt wurden) oder durch
die Osterformel von Carl Friedrich Gauß. Beide Verfahren gelten für
alle Jahre ab 532 n.Chr. Einfachere Formeln zur Berechnung des Osterdatums,
die allerdings explizit entweder den Gregorianischen oder den Julianischen
Kalender voraussetzen, sind bei J.Meuus angegeben (s.
Literaturliste).
Auch heute noch existieren Unterschiede zwischen verschiedenen christlichen
Kirchen über die Festlegung des Osterfestes. Die Ostkirchen beispielsweise
halten an dem Frühlingsbeginn am 21.März des Julianischen Kalenders
fest und berechnen den wahren, astronomischen Vollmond für den Meridian
von Jerusalem.
(Eine Liste der Osterdateb für die
Jahre 1901 bis 2078 ist beigefügt.)
Andere Kalender
- Ägypten (historisch):
Seit dem 4.Jahrtausend v.Chr. wurde ein Sonnenjahr mit 365 Tagen Dauer
verwendet. Das Jahr war unterteilt in 12 Monate zu 30 Tagen und fünf
Zusatztagen. Je vier Monate bildeten die Flut-, die Saat- und die
Ernteperiode, bezugnehmend auf die alljährlichen Überschwemmungen
durch den Nil. Die Lage dieser Perioden zum kalendarischen Jahresanfang war
allerdings variabel, weil sowohl der mittlere Zeitpunkt des Nilhochwassers als
auch Aussaat und Ernte sich nach dem tropischen Jahr richten (müssen). Der
Beginn der Perioden richtete sich daher nach dem heliakischen Aufgang des
Sternes Sirius (ägypt. Sothis). (Der heliakische Aufgang ist der erste in
der Morgendämmerung sichtbare Aufgang eines Sternes nach der Konjunktion
mit der Sonne. Streng genommen bestimmt der heliakische Aufgang nicht die
Länge eines tropischen, sondern eines siderischen Jahres -- sofern von
einer Eigenbewegung des Sterns abgesehen werden kann. Der Unterschied war aber
für die ägyptische Zeitrechnung unwesentlich.)
Der ägyptische Kalender kannte allerdings keine Schalttage, so daß
sich in einem Zeitraum von etwa 1460 Jahren der Neujahrstag durch alle
Jahreszeiten bewegte. Für die Ägypter sah es allerdings so aus, als
ob der heliakische Aufgang der Sothis (=Sirius) sich mit dieser Periode durch
den Kalender bewegte. Die Periode wurde daher als Sothis-Zyklus bezeichnet.
Im Jahre 238 v.Chr. versuchte Ptolemeus Euergetes einen sechsten,
zusätzlichen Schalttag alle vier Jahre einzuführen. Dieser Versuch
blieb weitgehend unbeachtet. Erst auf Druck des römischen Kaisers
Augustus fand der neue Kalender ab etwa 26 v.Chr. eine zunehmend weitere
Verbreitung, obwohl alter und neuer Kalender für mehrere Jahrhunderte
parallel zueinander benutzt wurden. Der neue Kalender ähnelt weitgehend
dem Julianischen Kalender, der Schalttag wurde aber am Ende des
ägyptischen Jahres eingefügt, was dem 29.August des Julianischen
Kalenders entsprach.
- China (historisch):
Im alten China wurde ein Lunisolarjahr benutzt. Für die dazu notwendige
Interkalation von Schaltmonaten hat auch hier die Entwicklung zum Metonischen
Zyklus von 19 Jahren geführt. Es gab keine Jahreszählung.
Stattdessen wurden die Jahre bezeichnet durch eine Kombination eines
(unübersetzbaren) Symbols aus der chinesischen Naturphilosophie und einem
Tierzeichen (nicht identisch mit den Tierkreiszeichen der europäischen
Astrologie). Es existierten 10 Symbole und 12 Tierzeichen, die jeweils
zyklisch durchlaufen wurden. In einem 60jährigen Zyklus hat damit jedes
Jahr eine eindeutige Bezeichnung. Die großen Zyklen von 60 Jahren
Länge wurden durch die Angabe eines darein fallenden wichtigen Ereignisses
oder die Nennung einer Herrscherpersönlichkeit der Epoche gekennzeichnet.
- antikes Griechenland:
Hier wurde ein Lunisolarjahr mit zunächst primitiven und uneinheitlichen
Schaltmonatsregeln benutzt. Ab etwa 500 v.Chr. fand die Oktaeteris,
eine Schaltung mit 8jährigem Zyklus mit fünf Gemeinjahren zu 12
Monaten und drei Schaltjahren zu 13 Monaten eine weite Verbreitung. Im Jahre
432 v.Chr. fand Meton in Athen den nach ihm benannten 19jährigen Zyklus
(der allerdings unabhängig davon mehrfach in anderen Kulturen entwickelt
wurde). Von vergleichbarer Qualität, allerdings komplizierter im Gebrauch
weil länger, war der Callipische Zyklus, der 76 Jahre mit 940 Monaten und
27759 Tagen gleichsetzte.
- Mittelamerika (historisch):
Von den Indianerhochkulturen in Mittelamerika wurde ein Ritualkalender mit
einem Zyklus von 13 * 20 Tagen mit einem Sonnenjahr von 18 Monaten zu je 20
Tagen plus 5 (als unheilvoll angesehener) Tage kombiniert. Daraus ergab sich
ein 52jähriger Zyklus. Eine durchgängige Jahreszählung gab es
im allgemeinen nicht. Nur die Maja zählten Jahre beginnend am 6.9.3114
v.Chr in Einheiten von 'Kin' (1 Tag), 'Uinal' (20 Tage), 'Tun' (360 Tage = 18
Uinal), 'Katun' (7200 Tage = 20 Tun) und 'Baktun' (144000 Tage = 20 Katun).
- französischer Revolutionskalender:
Er wurde 1787 von S. Marechal entworfen und am 5.10.1793 im
nach-revolutionären Frankreich eingeführt. Das erste Jahr begann
(nominal) am 22.9.1792, weitere Jahresanfänge waren zur astronomisch
bestimmten Herbst-Tagundnachtgleiche vorgesehen. Das Jahr war in 12 Monate zu
30 Tagen eingeteilt, dazu kamen 5 oder 6 zusätzliche Tage (Sansculotiden).
Jeder Monat bestand aus drei Dekaden zu je 10 Tagen, der Tag wurde in 10
Stunden, die Stunde in 10 Teile geteilt usw. Am 1.1.1806 wurde der
Gregorianische Kalender wieder eingeführt.
- Indien:
Die historische indische Zeitrechnung zeichnete sich vor allem durch eine fast
unüberschaubare Vielfalt von Kalendersystemen aus. Ein reformierter
indischer Kalender wurde am 22.März 1957 in Kraft gesetzt. Seine
Schaltjahrregel entspricht der des Gregorianischen Kalenders, Jahresbeginn und
Jahreszählung unterscheiden sich aber. So entsprach der 22.März 1957
dem Beginn des Jahres 1879 in der historischen Saka-Jahreszählung, in
Schaltjahren beginnt das indische Jahr am 21.März des Gregorianischen
Kalenders. Auch heute sind neben dem reformierten Kalender noch viele
einheimische Kalender für religiöse Zwecke im Gebrauch. Allein
für die Jahreszählung existieren mehr als 20 Varianten.
Charakteristisch für die indische Zeitrechnung ist auch die Unterteilung
des Tages in 60 gleiche Teile zu je 24 Minuten, die wiederum durch dreimalige
Wiederholung der 60er-Teilung in Einheiten zu schließlich nur knapp 7
Millisekunden Länge führt.
- jüdischer Kalender:
Die Jahreszählung des modernen jüdisches Kalenders beginnt mit dem
Jahr 3761 v.Chr., in dem nach dem jüdischen Glauben die Welt erschaffen
wurde. Diese Zählweise wurde ungefähr im 10.Jahrhundert n.Chr.
festgelegt, der Kalender selber hatte schon im 4.Jahrhundert n.Chr. seine
heutige Form angenommen. Der jüdische Kalender beruht auf einem
Lunisolarjahr mit einem komplizierten Regelwerk zur Festlegung der
Schaltmonate. Die besondere Kompliziertheit ist die Konsequenz des Bestrebens,
bestimmte Feiertage nicht auf als unpraktisch empfundene Wochentage fallen zu
lassen. Daher wird nach 'mangelhaften', 'regelmäßigen' und
'überzähligen' Gemeinjahren mit 353, 354 und 355 Tagen und
entsprechenden Schaltjahren mit 383, 384 und 385 Tagen unterschieden.
Tagesbeginn im jüdischen Kalender ist um 18 Uhr. Diese Eigenschaft teilen
sich die meisten Mondkalender, denn die schmale Mondsichel nach dem Neumond ist
in der Abenddämmerung sichtbar. Damit beginnt ein neuer Monat und
folglich auch ein neuer Tag.
- islamischer Kalender:
Die Jahreszählung des islamischen Kalenders beginnt mit Mohammeds
Auswanderung (der Hidjra) nach Medina am 15. oder 16. Juli 622 n.Chr im
Julianischen Kalender. Welcher der beiden Tage zutrifft, ist umstritten.
Jahreszahlen in dieser Zählung werden häufig durch den Zusatz 'Anno
Hegirae' (Abk. A.H.) gekennzeichnet.
Für zivile Zwecke wird ein reiner, fester Mondkalender mit einem
Gemeinjahr zu 354 Tagen und 12 Monaten mit abwechselnd 30 und 29 Tagen
verwendet. In einem Zyklus von 30 Jahren treten 11 Schaltjahre zu 355 Tagen
auf, in denen der zwölfte Monat 30 statt 29 Tage hat. Allerdings sind
zwei unterschiedliche Gliederungen des 30jährigen Zyklus im Gebrauch, die
in 348 der insgesamt 360 Monate des Zyklus zu einer eintägigen Differenz
im Datum führen. In jedem Fall bewegt sich der Jahresanfang des festen
islamischen Kalenders in 33 Jahren durch die Jahreszeiten.
Für religiöse Zwecke wird der Monatsanfang nicht nach den Regeln des
festen Kalenders, sondern anhand tatsächlicher Beobachtungen der jungen
Mondsichel bestimmt. Dementsprechend beginnt nach dem religiösen Kalender
der Tag mit dem Sonnenuntergang an dem Abend, der dem zivilen Tag vorausgeht.
- bürgerlicher Kalender der BRD:
Mit deutscher Gründlichkeit ist dieser Kalender nach DIN 1355 genormt.
Darin sind die Jahreslänge(n), die Schaltregeln, die Monats- und
Wochentagsnamen, die Schreibweisen 'vor Christus' und 'nach Christus' und die
Jahreszählung sowie die Wochenzählung festgelegt. Sie sind in
weitgehender Übereinstimmung mit dem Gregorianischen Kalender und gehen
nur in solchen Dingen darüber hinaus, in denen der Gregorianische
Kalender keine Aussagen macht.
MAA Einstiegsseite
Autor:
- © Dirk Husfeld --- 96/03/06 --- dirkh@agleia.de
Letzte Änderung:
- C. Kronberg --- 17.06.1997 ---
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