de.sci.astronomie - FAQ


Stand: 15-10-1999

5) Fragen und Antworten

INHALT:

    Fragen:
  1. Allgemein

  2. Mond

  3. Planeten

  4. Sterne

  5. Universum


Allgemein:

F.1:Wo finde ich Daten [Planeten, Mondlandungen,...]?
Wo finde ich Astro-Programme?
Wo finde ich Bilder?
...
A.1:Es bieten sich mehrere Wege an:
  • bestehende Zusammenstellungen von interessanten Seiten (sog. Hotlists) durchsuchen und sich zur gewünschten Information durchhangeln.

  • eine Suchmaschine beauftragen (Schlüsselwörter eingeben), z.B. Altavista: http://www.altavista.digital.com/

  • Wer Englisch versteht, findet sehr viele Fragen in den FAQ's in sci.astro(.*) beantwortet! Sie werden, wie fast alle FAQ's, auch im WWW zur Verfuegung gestellt: http://www.cis.ohio-state.edu/hypertext/faq/usenet/FAQ-List.html http://www.cs.ruu.nl/cgi-bin/faqwais http://www.lib.ox.ac.uk/internet/news/faq/by_group.index.html [Wer kennt einen Mirror in D-Land?]

  • Man findet sogar auf konventionellem Wege (so voellig ohne Internet!;-) gute Informationen: - Das Lexikon oder einführende Astronomie-Buecher im Bücherregal. - Öffentliche Buechereien haben oft eine Astronomie-Abteilung. - Viele Fragen ("Was fuer ein Teleskop...?") lassen sich am besten im persönlichen Gespräch mit erfahrenen Amateurastronomen klären, vor allem mit entsprechendem Anschauungsobjekt. Es empfiehlt sich der Besuch einer Volkssternwarte oder eines Planetariums. Gute Kontakte knüpft man in Astronomie-Vereinen!

  • Ein paar Einstiegspunkte sind:

  • Wenn das alles nicht viel gebracht hat oder zu aufwendig wäre, kann man seine Frage natürlich auch in de.sci.astronomie stellen...

  • F.2:Wo finde ich Algorithmen zu Auf- und Untergängen ?
    A.2:Weil es doch etwas spezieller ist und häufig gefragt wird:
    Ein empfehlenswertes Buch über astronomiche Algorithemen ist "Astronomische Algorithmen" von Jean Meeus. Erweiternd dazu noch eine Antwort von Manfred Dings (m.dings@hmt.uni-sb.de):
      Meeus ist gut, doch im Falle von Auf/Untergang und Sonnenfinsternissen ist Montenbruck/Pfleger besser:
      Montenbruck, Oliver und Pfleger, Thomas: Astronomie mit dem Personal Computer. Berlin, Heidelberg, New York (...) (Springer) 1989, ISBN 3-540-57701-7. 2. Auflage 1994 (dafür muß man ein Porträt von Clara Schumann opfern und bekommt - wenn überhaupt noch (?) - nicht viel Wechselgeld raus, doch für ernsthafte Programmierer von Astronomiesoftware ein MUSS, eine Kurzrezension davon gibt es auf meiner web-site).

      Der Auf/Untergangsalgorithmus, der dort ausführlich beschrieben wird, ist imho dem von Meeus überlegen. Er ist elegant - und funktioniert zuverlässig in Spezialfällen wie Polarnacht oder fehlendem Ereignis - beim Mond 2x monatlich der Fall. In der zweiten Auflage (die dritte, mit c-Code, ist angeblich in Vorbereitung?) wird auch behandelt, wie man die lokalen Umstände einer Sonnenfinsternis berechnet.

      Über Mondfinsternisse kann man sich aber besser im Meeus schlau machen.

    F.3:Welches ist das beste Astro Programm ?
    A.3:Gegenfrage: Für welche Plattform und was willst Du machen ?
    Generell ist dies eine sehr schwere Frage, denn letztendlich erwartet jeder etwas anderes von einem "guten" Astro Programm. Eine Auswahl von Programmen (meist Demo Versionen) findet man unter http://www.maa.mhn.de/Tools/tools.html; eine sehr übersichtliche Liste führt Bill Arnett: http://www.seds.org/billa/astrosoftware.html

    Bevor man sich dafür entscheidet, ein Programm zu kaufen, wäre es durchaus ratsam, die Demoversionen zu versuchen. Abgesehen davon gibt es auch eine Reihe von frei verfügbaren Programmen.

    F.4:Wo finde ich Astro Zubehör im Internet ?
    A.4:Da gibt es einige sites. Zum Beispiel:

    F.5:Wann beginnt das neue Jahrtausend ?
    A.5:Am 1.1.2001. Zumindest nach dem gregorianischen Kalender.
    Aus den News:
      Rolf Kutz wrote:
      >
      > On Fri, 04 Dec 1998 13:19:15 +0100, Guenter Szolderits
      > wrote:
      >
      > >Das aendert allerdings nichts an der Tatsache, dass unsere Zeitrechnung
      > >am 1.1.1 beginnt, dem fiktiven Tag der Geburt von Christus am 1.1.1 um
      >
      > Falsch. Unsere Zeitrechnung ist auf dieses Datum kalibriert
      > (beziehungsweise zurückgerechnet). Unsere Zeitrechnung beginnt aber
      > schon viel früher (siehe negative Astronomische Zahlen), das sollte
      > Astronomen doch bekannt sein.

      Ich zitiere aus dem Kosmos Himmelsjahr 1998, Monatsthema Dezember 1998,
      "Wann beginnt das dritte Jahrtausend":

      "Die Geburt Christi markiert den Zeitpunkt Null unserer Zeitrechnung.
      Das Jahr 1 nach Christi dauerte somit vom 1.1.1 bis 31.12.1, ..."

      In anderen Worten: Das Jahr 1 war erst am 31.12.1 um. Daraus darf
      geschlossen werden, dass das Jahr 2000, und damit das zweite
      Jahrtausend, am 31.12.2000 um ist.

      Mit der wahren Geburt Christi hat das nichts zu tun, denn die fand
      bereits 7 v.Chr. bzw. im Jahr -6 nach der astronomischen Zeitskala
      statt, der Kalender wurde aber nach dieser Erkenntnis nicht korrigiert.

      Die Tatsache, dass das Jahr vor dem Jahr 1 historisch als 1 v. Chr,
      astronomisch als Jahr 0 bezeichnet wird, hilft uns hier auch nicht
      weiter. Der Nullpunkt der Zeitrechnung ist und bleibt der 1.1.1. Ist
      zwar irgendwie verrueckt, aber es ist so...

      Guenter



    Mond:

    F.1:Warum erscheint der Mond manchmal rot ?
    A.1:Ursache dafür ist die Streuung des Lichtes an den Partikeln der Erdatmosphäre. Die blauen Anteile werden stärker gestreut als die roten, so daß ein tiefstehender Mond (genau wie die Sonne) rot erscheint.

    F.2:Dreht sich der Mond um seine eigene Achse ?
    A.2:Natürlich drecht sich auch der Mond um seine eigene Achse, nämlich genau einmal pro Monat. (Stelle Dir hierzu vor, Du lebst auf dem Mond und frage Dich beim Sonnenaufgang, wie lange es wohl bis zum nächsten Sonnenaufgang dauern wird.)
    Es war nicht immer so, daß der Mond der Erde die gleiche Seite zugewendet hat. Die Mondrotation hat sich immer weiter verlangsamt, bis das so war. Der Grund hierfür ist die sogenannte Gezeitenbremse, bzw. gravitative Kopplung. Irgendwann würde auch die Erde der Sonne immer die gleiche Seite zuwenden, wenn die Sonne hierfür lange genug existieren würde. Auch ein Erdentag war vor Millionen von Jahren noch deutlich kürzer als heute. (Hiesi@t-online.de)



    Planeten:

    F.1:Können alle Planeten in einer Reihe stehen ?
    A.1:Da sich die Planetenbahnen nicht alle in exakt einer Ebene befinden, müßte man "nein" sagen. Guckt man nicht so genau, kann dies innerhalb eines gewissen Intervalls durchaus geschehen. Z.Bsp. kommt ein Ereignis wie am 5. Mai 2000, (Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Sonne und Mond stehen optisch sehr dicht beieinander und bilden somit näherungsweise eine "Reihe") recht häufig vor:
    05. Februar 1962: Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn innerhalb 13 Grad
    08. September 2040: Merkur bis Saturn innerhalb 9.5 Grad
    12. Februar 18604: alle Planeten mit Ausnahme von Pluto innerhalb eines Winkels von 11.1 Grad; (< hwinkler@xpoint.at >)



    Sterne:

    F.1:Wo kann ich einen Stern kaufen?
    A.1:(Kurzantwort) Nirgends!
    Hier eine nette Antwort:

    > Vor einige Zeit habe ich im TV eine Sendung gesehen,
    > wo man einen Stern mit einem Namen benennen lassen
    > konnte und dann dafuer eine Urkunde mit Rahmen etc.
    > bekam. Preis ca. 250 - 300 DM.
    > Leider habe ich mir die Firma, die dies macht, nicht auf-
    > geschrieben.
    > Kennt jemand diese Firma und kann mir die Adresse
    > und Telefonnr. zusenden ?

    Brauchst Du gar nicht, ich kann das f"ur Dich erledigen. Ich mache das sogar f"ur den Freundschaftspreis von 200 Mark pro St"uck. Schick mir einfach eine Mail mit den gew"unschten Namen und ich schicke Dir dann eine Liste mit den Koordinaten der Sterne, die Urkunden und eine Rechnung. Magst Du die Sterne gerne eher auf einem Fleck oder lieber "uber den Himmel verstreut?

    Nein, mal ehrlich: Bei diesen Sternbenennungsangeboten handelt es sich um pure Gesch"aftemacherei. Sterne bekommen heutzutage n"amlich offiziell keine Namen, sondern Nummern (f"ur Namen gibt es viel zu viele Sterne). Nat"urlich kannst Du jeden Stern nennen, wie Du magst, oder eine Firma damit beauftragen, Dir daf"ur eine Urkunde zu drucken. Du solltest Dir nur nicht einbilden, dass dann alle Astronomen der Welt diesen Stern mit dem von Dir ausgesuchten Namen ansprechen.

    Die einzige *offizielle* Autorit"at f"ur das Benennen von Himmelsk"orpern ist die Internationale Astronomische Union (IAU). Diese vergibt aber `pers"onliche' Namen nur f"ur Kometen (die nach dem Entdecker benannt werden; der gerade aktuelle Komet heisst also nach einem Japaner, Herrn Hyakutake) und Kleinplaneten (hier darf der Entdecker tats"achlich einen Vorschlag machen, der auch meist akzeptiert wird). Wenn Du also ein Himmelsobjekt wirklich amtlich und verbindlich benennen willst, bleibt Dir nichts anderes "ubrig, als einen Kometen oder Kleinplaneten zu entdecken. Die tr"ostliche Botschaft ist, dass das tats"achlich oft auch Amateuren gelingt.

    F.2:Wo kann ich einen Namen fuer einen Stern eintragen lassen ?
    A.2:Für Sterne: nirgens - wenn es offiziell sein soll. Für Kometen bei der IAU, wenn man der Erstentdecker ist (vgl. www.iau.org und die Antwort A.1)

    F.3:Warum blinken die Sterne ?
    A.3:Atmosphaerische Stoerungen. Luftschichten unterschiedlicher Dichte brechen das Licht jeweils anders, wodurch ein Lichtstrahl von seiner urspruenglichen Bahn abgelenkt werden kann. (vgl. Hitzeflimmern an heissen Tagen).
    Nennt sich auch 'seeing' und kann einem eine einigermassen klare Nacht vermiesen :-(
    Das Licht der Sterne kommt wegen ihrer grossen Entfernung als Lichtstrahl an, deshalb huepfen sie.
    Das von den Planeten reflektierte Sonnenlicht kommt in Lichtbuendeln an, von denen einige Strahlen ungebrochen durchkommen, deshalb erscheinen sie ruhiger.

    Im Teleskop ist dann allerdings alles wieder anders, da die Stoerungen mitvergroessert werden.

    Quelle:
    Sollte in ziemlich jedem Astronomiebuch zu finden sein.
    In manchen Lexika eventuell.
    In Physikbuechern koennte ich es mir auch vorstellen.
    (Michael Schumacher <schumaml@trick.informatik.uni-stuttgart.de>)

    F.4:Wieviele Sternbilder gibt es ?
    A.4:Offiziell gibt es 88 Sternbilder (von der IAU festgelegt). Darüberhinaus gibt es noch eine Reihe von zusätzlichen Konstellation, die aus Teilen der 88 Sternbilder, oder auch von Sternen verschiedener Sternbilder gebildet werden, die sog. Asterismen (das bekannteste Beispiel ist der Große Wagen im Großen Bär).



    Universum:

    F.1:Wo lag der Ort des Urknalls ?
    A.1:Diese Frage ist analog zu der Frage: Wo ist der Mittelpunkt des Universums ? Die kurze Antwort lautet: Überall und nirgens.
    Michael Bertschik <mbertsch@poppc.urz.uni-heidelberg.de> lieferte die nachfolgende Antwort:
      Dieses "Zentrum", das Du meinst, existiert nicht in drei Dimensionen - der Urknall fand "ueberall" statt.

      Die Begruendung dafuer ist nicht ganz trivial, es werden einige folgenreiche Annahmen gemacht, die zu obiger Feststellung fuehren.

      Eine davon ist das sog. "kosmologische Prinzip": es folgert aus der Isotropie, die wir beobachten (gleichfoermige Materieverteilung, wohin wir auch schauen, gleichfoermige Rotverschiebung, gleichfoermige Hintergrundstrahlung usw.) Homogenitaet. Es macht also die Annahme, dass jeder Beobachter im Prinzip das selbe Universum sieht und kein Beobachter ausgezeichnet ist. Allein daraus folgt schon, dass es kein "Zentrum" gibt.

      Dann wird die Annahme gemacht, dass die zutreffende Theorie, die das Universum beschreiben soll, die Allgemeine Relativitaetstheorie sein soll (wegen "Beschreibung der Raumzeit"). Aus der ART bekommen wir Weltmodelle, die uns auch mathematisch sagen, dass es kein "Zentrum" im dreidim. Raum gibt.

      Das Verhalten des Universum kann man sich als Analogie so vorstellen (schon oft strapaziert worden): Stell Dir eine Ameise auf einem Luftballon vor, der aufgeblasen wird.
      Die Ballonoberflaeche hat keinen Mittelpunkt, und die Ameise sieht die Expansion anderer Objekte im Universum - und diese Expansion findet "ueberall" statt.

      Bestimmte Weltmodelle sind tatsaechlich komplett analog zum Ballonmodell (nur eben eine Dimension hoeher - eine vierdim. "Hyperkugel", auf deren dreidim. Oberflaeche wir uns befinden).

      Also liesse sich Deine Frage so beantworten: Die Expansion findet im dreidim. Raum ueberall statt - und im vierdim. Raum von einem Punkt ausserhalb des dreidim. Raums.

    Zusatz zur Homogenität;
    Die Verteilung der Galaxien ist bis auf etwa 20% homogen, die Verteilung der Roentgengalaxien auf etwa 5%, die von Quasaren auf etwa 3%. Die Hintergrundstrahlung ist bis auf 10^-5 homogen - wie etwa die Rotverschiebung von Objekten.
    Inhomogenitaeten haben auch weniger etwas mit der "vierdim. Raumzeitstruktur" des Universums zu tun, es gibt schon einige Ansaetze, diese im Einklang mit Urknall und Isotropie zu erklaeren.
    Die sog. "Blasen" und Leeraeume spielen sich auf Skalen von nur einigen Mpc ab.


    C. Kronberg --- smil (at) clell.de